Anthony Hopkins ist der walisische Schauspieler, der mit seiner Darstellung des Hannibal Lecter in „Das Schweigen der Lämmer“ 1992 seinen ersten Oscar gewann und drei Jahrzehnte später, mit „The Father“, noch einen zweiten hinterherschob – als ältester Preisträger in einer kompetitiven Schauspielkategorie überhaupt. Mit 88 Jahren steht der gebürtige Waliser 2026 gleich in mehreren neuen Produktionen vor der Kamera und beweist, dass sich seine Karriere über sechs Jahrzehnte erstreckt, ohne an Substanz zu verlieren.

    Anthony Hopkins: Die Anfänge in Port Talbot

    Geboren wurde er am 31. Dezember 1937 als Philip Anthony Hopkins in Margam, einem Stadtteil von Port Talbot in Südwales. Der Vater führte dort eine Bäckerei, und in der Schule galt der introvertierte Junge keineswegs als Musterschüler. Ursprünglich träumte er von einer Karriere als Konzertpianist.

    Den Wendepunkt brachte ausgerechnet ein Theaterclub des YMCA, dem er sich mit 18 Jahren anschloss. Aus der zufälligen Begegnung wurde Ernst: Er studierte am Cardiff College of Music and Drama und wechselte anschließend an die renommierte Royal Academy of Dramatic Art in London.

    Vom Olivier-Understudy zum gefeierten Filmstar

    1965 holte ihn das National Theatre unter der Leitung von Laurence Olivier, wo er zunächst als dessen Understudy arbeitete. Der eigentliche Durchbruch kam 1967, als er kurzfristig für den erkrankten Olivier in „Dance of Death“ einsprang und die Kritiker begeisterte.

    Die Leinwand rief kurz darauf: Als junger Richard Löwenherz in „Der Löwe im Winter“ (1968) neben Katharine Hepburn und Peter O’Toole erhielt er seine erste BAFTA-Nominierung. Es folgten „Young Winston“ (1972), „A Bridge Too Far“ (1977) als Colonel Frost sowie 1980 die Rolle des Dr. Frederick Treves in David Lynchs „Der Elefantenmensch“.

    Der Oscar-Schock: Anthony Hopkins als Hannibal Lecter

    Sein bis heute prägendster Auftritt kam 1991 mit „Das Schweigen der Lämmer“. Als inhaftierter Psychiater und Kannibale Hannibal Lecter ist er gerade einmal rund 16 Minuten zu sehen – etwa 21 Prozent der Laufzeit – und gewann dafür trotzdem den Oscar als bester Hauptdarsteller, die kürzeste Bildschirmzeit, die je für diese Auszeichnung gereicht hat.

    Der Thriller von Jonathan Demme schrieb noch in anderer Hinsicht Geschichte: Er ist erst der dritte Film überhaupt, der die „Big Five“ der Academy Awards abräumte – Bester Film, Regie, Hauptdarsteller, Hauptdarstellerin und Drehbuch – und bleibt bis heute der einzige Horrorfilm mit einem Best-Picture-Oscar. Die Figur des kultivierten Kannibalen spielte er später noch zweimal, in „Hannibal“ (2001) und im Prequel „Red Dragon“ (2002).

    Karriere-Meilensteine im Überblick

    JahrMeilenstein
    1968Erste BAFTA-Nominierung für „Der Löwe im Winter“
    1980Titelrolle in David Lynchs „Der Elefantenmensch“
    1992Erster Oscar für „Das Schweigen der Lämmer“
    1993Ritterschlag zum Sir; Oscar-Nominierung für „Was vom Tage übrig blieb“
    1995Oscar-Nominierung für die Titelrolle in „Nixon“
    1997Oscar-Nominierung für „Amistad“
    2008Ehrenpreis (Fellowship) der British Academy of Film and Television Arts
    2011–2017Odin in der Marvel-Trilogie „Thor“
    2019Oscar-Nominierung als Papst Benedikt XVI. in „The Two Popes“
    2021Zweiter Oscar für „The Father“, ältester Gewinner der Geschichte
    2026Mehrere neue Projekte, darunter Rückkehr zu walisischen Stoffen

    Vielseitigkeit als Markenzeichen

    Zwischen den großen Rollen blieb wenig Raum für Verschnaufpausen. Van Helsing in „Bram Stoker’s Dracula“ (1992), der Kunstsammler in „Chaplin“ (1992), der Patriarch in „Legends of the Fall“ (1994) sowie der maskierte Fechtlehrer in „Die Maske des Zorro“ (1998) zeigen, wie mühelos er zwischen Genres wechselte. Auch als Tod in Person überzeugte er 1998 in „Meet Joe Black“ neben Brad Pitt.

    Arbeitsweise: Warum Hopkins jedes Drehbuch Hunderte Male liest

    Kollegen und Regisseure berichten seit Jahren von einer ungewöhnlichen Angewohnheit: Er liest ein neues Drehbuch bis zu 150- oder 200-mal, bevor die erste Klappe fällt. Ziel ist, den Text so tief zu verinnerlichen, dass am Set kein Raum für Zögern bleibt und die Zeilen wie natürliche Gedanken wirken.

    Diese Disziplin erklärt auch, warum ihm selbst kleinere Auftritte wie der des Hannibal Lecter so nachhaltig gelingen. Regisseure beschreiben ihn regelmäßig als bis ins letzte Detail vorbereitet, zugleich aber offen für spontane Impulse während der eigentlichen Aufnahme.

    Sir Anthony Hopkins: Titel, Auszeichnungen und ein zweiter Pass

    1987 wurde er zum Commander of the Order of the British Empire ernannt, 1993 zum Ritter geschlagen – seither trägt er offiziell den Titel Sir. Im Jahr 2000 nahm er zusätzlich die US-amerikanische Staatsbürgerschaft an, ohne seinen britischen Pass aufzugeben. Vier BAFTA-Trophäen, zwei Primetime-Emmys und ein Laurence-Olivier-Award ergänzen die Sammlung.

    „The Father“: Der Rekord-Oscar mit 83

    Für die Rolle eines demenzerkrankten Mannes in Florian Zellers Kammerspiel „The Father“ (2020) erhielt er 2021 seinen zweiten Hauptdarsteller-Oscar – im Alter von 83 Jahren der älteste Gewinner in einer kompetitiven Schauspielkategorie in der Geschichte der Academy Awards. Zur Verleihung selbst reiste er nicht an; Joaquin Phoenix nahm die Trophäe stellvertretend entgegen, während die Nachricht ihn in seiner walisischen Heimat erreichte.

    Privates: Sucht, drei Ehen und die Kunst neben der Kamera

    Über Jahre kämpfte er mit Alkoholismus, bevor er 1975 nüchtern wurde – eine Zäsur, die er später wiederholt als entscheidenden Wendepunkt seines Lebens beschrieben hat. Aus der Ehe mit Petronella Barker stammt seine einzige Tochter, die Schauspielerin Abigail Hopkins. Nach einer zweiten Ehe mit Jennifer Lynton ist er seit 2003 mit der kolumbianischen Produzentin Stella Arroyave verheiratet.

    Neben der Schauspielerei komponiert und malt er seit Jahrzehnten. Ein selbst geschriebener Walzer bildete sogar die Grundlage für seinen 2015 veröffentlichten Roman „And the Waltz Goes On“, während die Melodie unter anderem vom Geiger André Rieu aufgegriffen wurde.

    Neue Projekte 2025 und 2026: Rückkehr zu den walisischen Wurzeln

    Auch fernab der beiden Oscar-Trophäen bleibt er im Marvel-Universum als Odin präsent, verkörperte 2024 in der Serie „Those About to Die“ einen römischen Herrscher und spielte im Bibelfilm „Mary“ König Herodes. Für 2025 und 2026 stehen mehrere neue Vorhaben in den Startlöchern.

    Bei „A Visit to Grandpa’s“, einer Verfilmung der Kurzgeschichte von Dylan Thomas unter der Regie von DJ Caruso, kehrt er thematisch zu seinen walisischen Wurzeln zurück. Parallel wurde „The Housekeeper“ abgedreht, ein von Daphne du Maurier inspiriertes Beziehungsdrama von Richard Eyre mit Helena Bonham Carter und Caitríona Balfe. In „The Species“ übernimmt er zudem an der Seite von Charlotte Rampling die Rolle des Charles Darwin, dessen Ehefrau Emma im Zentrum der Geschichte steht.

    Häufig gestellte Fragen (FAQs)

    Wie alt ist Anthony Hopkins und wo wurde er geboren?

    Er kam am 31. Dezember 1937 in Margam bei Port Talbot in Südwales zur Welt und ist damit im Jahr 2026 88 Jahre alt.

    Wie viele Oscars hat Anthony Hopkins gewonnen?

    Er gewann zweimal den Oscar als bester Hauptdarsteller: 1992 für „Das Schweigen der Lämmer“ und 2021 für „The Father“, zusätzlich zu vier weiteren Nominierungen.

    Warum wurde Anthony Hopkins für „Das Schweigen der Lämmer“ gefeiert, obwohl er kaum im Film zu sehen ist?

    Seine rund 16-minütige Präsenz als Hannibal Lecter reichte aus, um den Film und seine Darstellung zu einem der einflussreichsten Momente der Kinogeschichte zu machen – bis heute die kürzeste Bildschirmzeit, für die je ein Best-Actor-Oscar vergeben wurde.

    Spielt Anthony Hopkins auch 2026 noch in neuen Filmen mit?

    Ja, mit „A Visit to Grandpa’s“, „The Housekeeper“ und „The Species“ stehen 2025 und 2026 gleich mehrere neue Produktionen an, in denen er teils zu seinen walisischen Wurzeln zurückkehrt.

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